Dienstag, 22. Juli 2008

Nord-Sued-Korrespondenz 2

Erinnern wir uns nocheinmal an die ‚Nord-Sued-Korrspondenz’ – die einfachste, schnellste und unkomplizierteste Lösung, so nannte ich es – meine Worte verbunden mit einem Versprechen...KOMMUNIKATION! Ein Begriff der mir Freude, Hochgefühle aber auch Kopfschmerzen und Magenunwohlsein bereitete. Hauptsächlich nicht bezogen auf Nord-Sued-Korrespondenz, sondern allgemein auf die sprachliche Austauschebene ausgerichtet; eine der wichtigsten wenn nicht sogar die wichtigste Aufgabe! ‚Communicare’ – das Lateinische ‚Teilen, mitteilen, teilnehmen lassen oder auch gemeinsam machen und vereinigen’...eines der schönsten, wunderbarsten aber auch der gefährlichsten und grausamsten Aktivitäten unseres menschlichen Miteinanders.
Zu pragmatisch möchte ich nun aber auch nicht werden und mit guten Gewissen vermage ich zu sagen, dass ich ‚teilte, mitteilte, in gewissem Maße auch teilnahmen habe lassen’! :) Geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freude ist doppelte Freude. Zweiteres Überwog eindeutig und wie ich schon erwähnte: Indien ist bunt, chaotisch, sehr laut und verrückt, aber doch sehr sehr liebenswert – eben MAGIC INDIA!!!

Das Ventil schließt sich

In wenigen Tagen ist es soweit – ein ganzer Monat ist vergangen...
Verflogen vielmehr seitdem ich mit meinen Füßen wieder deutschen Boden betreten habe! Mit rießigen Gepäckmengen beladen, schloss sich mir Dank der Unaufmerksamkeit oder sagen wir lieber der Nachsichtigkeit verbunden mit verständnisvoller Hilfsbreitschaft der Stuardessen, tatsächlich die Möglichkeit das Unmögliche wahr zu machen und mit drei schwer beladenen Handgepäcktaschen von einem elitären Überraschungskomitee in Empfang genommen zu werde.
Seitdem ist nun wie gesagt fast ein ganzer Monat vergangen
-ein Monat um die ersten wichtigen Dinge zu regeln
-ein Monat indem ich nach drei Tagen wieder in die schöne Hansestadt gezogen bin/ziehen musste
-ein Monat mit großer Segeltour, Unibewerbungen, Wgsuche, et certera
-ein Monat um wieder in der westlichen Kultur anzukommen
-ein Monat um in meine alten Gepflogenheiten zurückzukehren (oder eben auch nicht)
-ein Monat um mich einzugewöhnen in ein Leben, dass meine letzten 20Jahre gezeichnet hat
-ein Monat mich mit ‚leise’, ‚Ordnung’, ‚offentsichliche Organisation’, ‚Leere Straßen’, ‚unfreundlichen Gesichtern’, ‚Egoismus’ und und und .... abzufinden

Da wir nunja nicht zu pathetisch werden wollen...’desolat’ sich nicht in meinem Wortschatz befindet und das Glas ja immer halb voll ist...wenden wir uns doch nocheinmal Indien zu – meinem sechs monatigen Zuhause :)

Viele Dinge, große wie kleine, wollte ich erwähnen hier auf meinen ganz privaten;) Seiten: Doch unerklärlicherweiße (denn ich weiß auch nicht, wie die Zeit einfach so dahinverfliegen konnte) ist nicht nur mein halbes Jahr Auslandsaufenthalt vorbei, sondern auch mein Blog bald Geschichte und soooo vieles immer noch nicht zu Papier gebracht – darum werdet Ihr nur noch oral erfahren können, wieso Inder so komisch beim Ja/Nein-Sagen mit den Köpfen wackeln (was mir das hier für Probleme einbrachte), wie sehr ich die brutalen Gewaltvideos bei Langstreckenbussen immer versuchte zu vermeiden bzw was so in Bollywood abgeht, mein Lieblingsessen, wie ich zu Ziegenhirncurry kam, wie es ist die meiste Zeit Barfuß zu gehen und mit Händen zu essen, dem Trip nach Chennai und Pondicherry sowie Aureville nicht zu vergessen und und und ....ja genau Hampi – einen meiner absoluten Lieblingsorte, der mir an meinem letzten Wochenende sämtliches bescherrte, dass Indien für mich ausgemacht hat. Eine unglaublich bereicherne Erfahrung zusammengeballt auf 2 Tage, der perfekte Abschluss zum Abschied – Indien pur!!!
Reden ist silber und Schweigen ist...







Freitag, 20. Juni 2008

Field Trip

Wie angekündigt...

Kolhapur: Der Ort, an dem alles anders sein sollte als es war! Eine Kleinstadt, rund 500.000 Einwohner im Süden von Maharastra...Soll dieser Eintrag, wie auch beim letzten Mal kein ‚Arbeitsblog’ werden, doch ein weiterer kleiner Einblick!

Schärfe in die Luft, kaum öffnen sich die Nasenflügel, saugen selbige sich voll mit Luft, erfasst einen sofort ein stechendes brennendes Gefühl. Hitze liegt über dem Slum. Vereinzelte Kinder zeigen sich auf den Straßen, doch ansonsten ist alles wie leer gefegt. Kaum glaubhaft, nach diesen belebten und ausgefüllten Straßen am Morgen! Murmeln spielende Kinder, waschende Frauen, die sich gegenseitig die Neuigkeiten erzählen und eilig vorbeieilenden Männer, Gemuhe der Kühe und Hundegebelle; Lautsprecher, die die Laute aus den Häusern in die Nachbarschaft tragen. Doch nun, ausgestorben...doch nur draußen; drinnen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Trotz sirrender Hitze und keinem Lüftchen im Haus; Frauen stehen am Herd und bereiten für ihre liebsten Lunch. Die Gewürze zerschneiden die Luft, Gemüse pruzelt in der Pfanne und Reis kocht nebenan. Die Küche, einfach, aber fein säuberlich gestapelt findet man alles was man braucht. Drei Frauen bemühen sich hier uns einen typischen Thali zuzubereiten! Wie gesagt, welcome in Kolhapur! Dem Ort, an dem nicht nur wir allzu liebenswürdig in diesem Slum versorgt wurden, sondern ebenso liebenswürdig und einmalige Unterstützung unsere Aufgabe bekommen haben. Nicht nur Katharina und Christian machte es Spaß unter diesen extremen Arbeitsbedingungen einen Film für BORDA in punkto Gemeindeorientierter Sanitäsversorgung zu drehen. Denke ich zurück, hätte ich nur wenig Punkte, die ich beim zweiten Mal ändern würde. Doch eigentlich hat alles funktioniert...manches später und auf letzte Minute anderes beim ersten Anhieb. Aber trotz den Problemen der zuerst nicht eingweihten und funtkionierenden Toilettenanlage und meinen anfänglichen Kopfschmerzen, die genau um diesen Punkt kreisten, wurde ich doch zusehens ruhiger, je mehr Zeit ich in Rajendra Nagar, dem Slum, verbrachte. Lange Wartezeiten, Lichtprobleme und immer mehr Leute als man brauchte, machten es einem nicht einfach...umso erstaunlicher ist die Offenheit und Herzigkeit der Slumbewohner gegenüber den Journalisten. Nie zuvor eine Kamera in der Hand gehabt, hatten sie sich nach einem Tag soweit an uns gwöhnt, dass wir uns ohne Probleme frei bewegen konnten, damit meine ich frei drehen wer wir wollten. Ab dem zweiten Tage dann auch was wir wollten und was wir von ihnen wollten. Die Performenz war einwandfrei, die Natürlichkeit nicht gespielt und Sprachprobleme im Nu vergessen. War es mein Part im Vorneherein alles zu organisieren und zu managen, entsprachen auch hier meine Aufgaben der ‚Producerin’! Ein absolutes Bonbon, dass ich kurz vor Ende zugesteckt bekam! Ausgepackt sah es noch besser aus: Neben interessanten Gesprächen abends beim Bier, Einblicken ins Kamerabusiness, Szenendiskussionen und Drehmotivsuchen, stellte sich dieser Slum, als der absolute Wahsinn heraus...Was für eine Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit. Nicht nur, dass wir ständig Tee geliefert bekamen und in die Häuser eingeladen wurde, nach einem Tag waren wir überall bekannt (wenn nicht schon früher) und wurden für diese Woche richtig aufgenommen in die Gemeinschaft. Ein weiteres Erlebniss, dass ich hoffentlich nie vergessen werde: Langsam senkte sich der Himmel über Rajendra Nagar, wolkenlos und klar. Doch diesmal gerade das Gegenteil. Nahezu der ganze Slum war auf den Beinen, erledigte die letzte Geschäfte des Abends oder bereitete sich für die Nacht vor. Auf den Stufen der Vorterasse der Toilettenhäuser traf man sich, denn zwei Musiker hatten sich eingefunden. Trommel und Trommel mit Schifferklavier und Gesang...beidesmal ein eiznigartiges Erlebniss: Musik, die einen Ergriff zusammensitzend im Dunkeln auf der Terasse mit 50 Slumbwohnern. Musik, die einen vergessen machte, glücklich und frei. Musik, die ohne Ende hätte sein können.
Manches passiert, wie vorhergesehen anderes plant man und es klappt aus welchen Gründen auch immer gar nicht und anderes bereitet man gut vor und es funktioniert einwandfrei. Nach einer Woche im Slum, einer am PO zerissenen Hose (auf die ich erst aufmerksam gemacht wurde, als sich eine Schar gigelnder Jünglinge hinter mir aufhielt (was ja hier wiederum in Indien nichst seltenes ist) und der Kommentar einer indische BORDA Mitarbeiterin ‚ich dachte das sei so gewollt; quasi Mode in Deutschland’...ähhhh NEIN), einen Absturz von einer Holzleiter in ein Wasserbecken(glücklicherweiße ziemlich leer) und Kinderscharren, die sich gar nicht mehr losreißen wollten, 8 Münder voller Zucker am ersten Tag zu Begrüßungszwecken und roten kumkum-Punkten auf der Stirn noch und nöcher , nicht zu vergessen den endlosen Schweißperlen (bei 40-45 Grad Hitze), etc ist letztendlich alles irgendwie seinen Weg gegangen und darauf kommst ja an, nech???

Mittwoch, 18. Juni 2008

Welcome back bei RTO

Oder Heavy Duty Story 4

Wieder in die Höhle des Löwen, bereits mit der Vorwarnung eines meiner Kollegen, doch gleich mal ein paar 50 – 100 Rupie Scheine griffbereit in der Tasche zu haben. Auf die Nachfrage hin, 'damit man bei der Bestechung handeln kann' – aha, da hätten wirs doch! Meine Tutorin meinte nur dazu ‚hundert müssten reichen, ich sei ja Freiwillige quasi Studentenstatus und Nichtsverdiener'. Nette Idee, aber wie das denn Beamten beim Bestechen erklären, die in dem Moment eh nur ‚weiße Haut’ sehen. Ähhh, nein Sir, ich bin nämlich Studentin. Oder Sir, mehr habe ich nicht. Wenn ich ihnen mehr bezahle, kann ich mir heute keine Essen leisten??? – Gut, dass es erst gar nicht soweit gekommen ist, das heißt bestochen habe ich ihn quasi um die Ecke.
Zuerst musste ich mit Heavy Duty allerdings eine ganz schön weite Strecke zurücklegen um dieses Verkehrsbüro zu erreichen. Zum Glück, ließ er mich diesmal nicht im Stich...(letztens ist er mir doch spät abends mitten in der Stadt stehen geblieben und auch die zwei netten Inder konnten Ihn nicht wieder zum Laufen bringen; allerdings als am Nächsten Tag zwei Fahrer unseres Office’s kamen, lief er einwandfrei – grrrrrr)
Und ich erreichte mein erstes Ziel ohne Probleme. Ohne Vasu, den Typen der Fahrschule, wäre ich mal wieder vollkommen verloren gewesen, doch nichtdestotrotz musste ich Dokumente fälschen lassen...Hörte sich der Beamte meine Erklärung an, warum ich denn keine Aufenthaltsgenehmigung von der Stadt hätte, geduldig an und unterschrieb schön alles, gefiel ihm irgendwie nicht, dass ich 'nur' einen Mietvertrag mit Elektrizitätsbill (auf den Mieter ausgeschrieben) und ein Schreiben von Marianne hatte, dass ich bei Ihr wohne (in natura gwohnt habe). Ich dachte, wenn dann würde es mal wieder beinahe an ersterem Scheitern, aber weit gefehlt...also gings auf in einen Shop 150m entfernt mir eine Dokument erstellen lassen, wie Vasu meinte. Angekommen, meinen 100 Rupie Schein aus der Tasche geholt und dem Mann beim Tippen in die Schreibmaschine zugeschaut. Heraus kam folgendes: Übliches plpapla + eine Einverständisserkklärung, die ich unterschreiben musste, wobei das ganze eher an meinen Vater gerichtete war, dass ich nämlich erstens mit meiner Familie hier wohne (kein Mensch hat mich gefragt) und dass mein Vater versichert (?), dass er keine Gasrechnung oder sonstigen Beleg hat, außer den Vertrag (der auf Marianne läuft) und die Elektrizitätsrechnung, die an den Vermieter ausgestellt ist!!! Hehe, einwandfrei nicht??? ;)
Das, ließ sich der Beamte dann gefallen...???!!!??? und ich durfte erneut in das große Buch schreiben!
Schritt zwei, war aber fast noch besser: Praktische Prüfung: Nach erstmaligen Warten auf den Prüfer, der sich ziemlich viel Zeit ließ, während rund 50 Leute sich die Beine in den Bauch standen, hieß es aufstellen in Reihe und jeder einzeln bei ihm vorrollen; Unterlagen übergeben, Motor starten und eine Kilometer fahren. Nicht etwa, dass auf diesem Stück Straße unterbrochen von weiß was ich wie vielen Schlaglöchern, die teilweiße bis zu 50cm tief waren, kein Verkehr war – nein! Man fuhr mehr oder weniger schön in Reih und Glied, denn nach dem Motor starten und den ersten Metern, wendete er sich dem nächsten zu...Aus dem Augenwinkel betrachtet, konnte er einen noch gut 15m weiterverfolgen (will man gutmütig sein) aber dann kam die Kurve und man fuhr die restliche Strecke vollkommen hinter seinem Rücken...
Und jetzt bitte keinen Fragen mehr, wieso hier jeder wie der letzte Depp fährt, es regeln nur aufm Papier gibt und die Hupe, neben der Größe des Fahrzeugs, als Hauptverkehrszeichen dient...

Aber ich glaube, ich werde es in Zukunft auf deutschen Straßen ziemlich langweilig finden ;) ...und ach ja, ‚passed’!

Haustier 2

Tja Maren, diesmal kann man es rumflitzen sehen, füttern und ähhh in gewissen Sinne streicheln. Mein neue Mitbwohner gibt fiepsende Laute von sich und hat ganz große Angst vor mir. Daher möchte ich es auch gar nicht streicheln...eine kleine süße Spitzmaus, hat sich aus welchen Gründen auch immer ins Gästhaus verirrt und rennt verwirrt durch die Gegend...Erste Versuche es wieder auszuladen (zu liebe seinerselbst) sind leider gescheitert! Ich bin ja mal gespannt, wer erster auszieht...

Ich habe gerade übrigens entdeckt, dass noch jemand anderes (Putzfrau) meine Spitzmaus entdeckt haben muss: Ich sehe, was, was Du nicht siehst...Mäusefalle lautet das Stichwort! uhhhh HIHI, aber ob ein Budgie (in Fett und Teig gebratenes Gemüse, hier Chili) das Richtige ist;)- Mal schauen...

Ps.: Beim letzten Haustier handelte es sich übrigens um Holzwürmer ;)